Niemand hat uns das beigebracht
Du hast gelernt, wie man eine Praxis führt. Wie man Patienten behandelt. Vielleicht sogar, wie man Rechnungen schreibt und Steuern versteht. Wenn nicht, lerne das so gerne mit uns 🙂
Aber hat Dir irgendjemand erklärt, was Du tust, wenn die Angst kommt? Wenn der Kalender leer bleibt und der innere Kritiker laut wird. Wenn Du morgens aufwachst und nicht weißt, ob das alles wirklich trägt. Wenn Du nach außen funktionierst — und innen gerade gar nichts stimmt.
Nein. Mir zumindest nicht. Ich durfte mir das mühselig erarbeiten.
Und genau deshalb glauben so viele Selbständige, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dabei stimmt mit ihnen alles. Sie wurden nur nie vorbereitet auf diesen Teil. Ich sage immer: meine härteste Therapie ist meine Selbständigkeit. Und auch nach 21 Jahren gibt es immer wieder neue Herausforderungen.
Selbständig sein ist eben völlig anders, als Angestellt zu sein.
Wenn ich früher mal als Angestellte einen schlechten Tag hatte, so what. Das hat keiner von meinem Gehalt abgezogen. Oder mal krank war. In der Selbständigkeit ist das ganz was anderes.
Auch wenn mal was nicht so lief. Da war noch der „Chef“ über einen. Und wenn es einem gar nicht mehr gefiel, hat hätte man immer noch kündigen können.
Und jetzt? Die Selbständigkeit ist unser großer Traum. Den „kündigt“ man eben nicht einfach so. Weil es so viel mehr Bedeutung hat, werden auch die Versagens-Ängste größer. Was wenn wir es nicht „gut“ machen? Was, wenn sie nicht wiederkommen? Und und und…
Wir können es eben nicht einfach wegignorieren oder es dem Chef auf dem Schreibtisch legen. Wir sind die, die sich kümmern dürfen. In Allem.
Dann bist du nämlich der Therapeut, der Buchhalter, der Marketingmensch und klar auch der Krisenmanager.. und das jeden Tag.
Wenn dann Resilienz und Struktur fehlt, geht das irgendwann ans Eingemachte. Und wenn wir dann nicht gegensteuern, landen wir im Burnout.
Wir dürfen sehen, dass wir mit mehr zu kämpfen haben, als ein Angestellter, wir haben eine ganz andere Belastung. Und deshalb brauchen wir auch andere Lösungen.
Angst ist in der Selbständigkeit auf Dauer ein schlechter Begleiter.
Wenn die Angst kommt, dann ist es bei uns, wie bei jedem, unser Nervensystem schaltet in Alarmbereitschaft. Und meist ist das kein guter Ratgeber.
Das Problem: Es gib in der Selbständigkeit gleich viele Gründe dafür: Unzufriedene Patienten, Rechnungen, Finanzamt, Gesundheitsamt, Technikstress..
Heißt, wir dürfen und sind herausgefordert, an vielen Ecken zu lernen und uns zu trainieren. UND: Uns gute Strukturen für solche Fälle zurecht zu legen. Notfallkontakte und so weiter.
Nicht weil Du dramatisch bist. Sondern weil Dein Gehirn Unsicherheit als Bedrohung verarbeitet. Genauso wie unsere Vorfahren einen Säbelzahntiger verarbeitet haben. Der Körper unterscheidet das nicht.
Dazu kommt: Selbständigkeit bedeutet ständige Entscheidungen. Und jede Entscheidung kostet Kraft. Übst Du das nicht, ist irgendwann ist der Tank leer — und dann kommen die Gefühle, die Du vorher weggeschoben hast.
Drei Wege, die wirklich helfen
Erstens: Fühl es durch, statt drüber hinwegzugehen.
Negative Gefühle werden nicht kleiner, wenn Du sie ignorierst. Sie werden lauter. Gib ihnen fünf Minuten. Setz Dich hin. Schreib auf, was gerade ist. Schreiben hilft. Gefühle wollen gefühlt und gesehen werden. Nach dem Schreiben. Fühle sie. Macht das Angst. Suche dir einen Partner, der das mit Dir halten kann.
Zweitens: Trenn das Gefühl von der Wahrheit.
„Ich habe Angst, dass es nicht klappt“ ist ein Gefühl. „Es klappt nicht“ ist eine Bewertung — und meistens falsch. Diese beiden Sätze klingen ähnlich. Sie sind es nicht. Wenn Du lernst, sie auseinanderzuhalten, verliert die Angst einen Teil ihrer Macht.
Drittens: Hör auf, allein damit zu sein.
Nicht jeder versteht, wie es sich anfühlt, selbständig zu sein. Aber manche schon. Suche Dir Menschen, die das kennen. Eine Kollegin. Eine Gruppe. Einen Coach (gerne mit uns). Schreiben hilft Fühlen hilft. Es sagen dürfen, vor allem vor anderen, die verstehen hilft ennorm.
Und wenn es gerade zu viel ist?
Suche Dir Unterstützung. Das hast Du und eine Praxis verdient. Du musst da nicht alleine durch. Egal, wie „seltsam“ deine Ängste und Bedenken klingen. Warte nicht zu lange. Leiden hilft nie.
Selbständigkeit ist kein Soloprojekt, auch wenn sie sich manchmal so anfühlt. Die mutigste Entscheidung ist manchmal nicht, weiterzumachen — sondern zu sagen: Ich brauche jetzt jemanden an meiner Seite.
Das darfst Du. Wir sind so gerne da für Dich. Melde Dich bei uns.
Alles Liebe
Claudia